Carlos, mein peruanischer Engel
Die Reise beginnt
Am
Tag der deutschen Einheit beginnt meine Reise. Von Küllstedt zum
frankfurter Flughafen heißt es Zug fahren. Von Frankfurt Main fliege
ich nach Madrid. Nach drei Stunden Aufenthalt geht der Flieger nach
Lima. Das Einsteigen beginnt. Ich entschließe mich zu warten, bis
die Warteschlange vor der Flugticketkontrolle kleiner geworden ist.
Dann stelle ich mich an.
Hola Carlos
Vor mir ist ein nett aussehender mittelalter
Mann, mit leichtem Teint und melierten kurzen Locken. Er schaut mich
freundlich an. Ich lächle freundlich zurück. Wir halten unsere
Boardingkarten in den Händen. Die Hinweisschilder deuten an, dass
die Sitzreihen in einer bestimmten Reihenfolge gebeten sind, sich
anzustellen. Unsere Sitznummern waren schon dran. Wir lachen. Auf
englisch kommen wir in ein kurzes Gespräch „Der Flieger fliegt eh
nicht ohne uns los“ „Von daher ist es nicht so dramatisch“. Er
stellt sich mir vor. „Hola, ich bin Carlos.“ „Hola, ich bin
Christoph.“ Den Flug über sitzen wir zwar in Sichtweite
zueinander. Aber auf diese Distanz wollte ich kein Gespräch führen.
Somit
macht in den nächsten zwölf Stunden jeder sein Ding: Das servierte
Menü essen und trinken, die angebotenen Medien nutzen und versuchen
zu schlafen.
Flughafen Lima
In
Lima begrüßen wir uns bei Aussteigen. Und Carlos sagt, dass wir uns
am Ausgang spätestens wiedersehen. Die Einreisekontrolle verläuft
schnell und unkompliziert. Beim Gepäckband gehe ich auf Carlos zu.
Er fragt mich, wo ich untergebracht bin und ob ich mit ihm
Frühstücken wolle. Ich sage ihm, dass ich ein Taxi zur Unterkunft
bestellt habe. Und das ich, nach dem ich dort eingecheckt habe, gern
seiner Einladung folgen würde.
Keiner holt mich ab
Als wir den Ausgangsbereich betreten,
suche ich meinen Namen auf den Schildern, die die Fahrer hoch halten.
Mein Name ist nicht dabei. Ich beschließe erst mal in Carlos seiner
Nähe zu bleiben. Er fragt mich, ob ich die Adresse und die
Telefonnummer der Unterkunft habe. Ich sage ihm, dass alles digital
im meinem Emailaccount gespeichert ist. Ich brauche nur eine
Internetverbindung. Zunächst findet Carlos seinen Abholdienst. Der
Taxifahrer Jose.
Hilfsbereitschaft
Er bittet Jose zu warten, bis Carlos und ich mein
Problem gelöst haben. Die Versuche ins freie Internet am Flughafen
zu kommen gelingen weder bei Carlos noch bei meinem Handy. Carlos
macht sich etwas über meine mangelnde Vorbereitung lustig. Die
Deutschen sind doch sonst immer so gründlich. Ich ärgere mich etwas
über mich selbst, entschuldige mich bei Carlos für die Umstände
und bedanke mich, dass er mir hilft. In der oberen Etage des
Flughafens ist ein Laden, in dem es eine kostenlose Internet gibt.
Wir laufen dort hin. In dem Cafe sind viele Leute. Ich höre wie zwei
Mädchen sich auf Deutsch unterhalten und frage sie, ob sie mir den
Zugangscode für das WIFI geben würden. „Ja.“ „Danke.“ Wir
versuchen uns einzuwählen. Klappt nicht. Da kommt ein weiteres
Mädchen, dass auch Internet benötigt und uns erst auf englisch
anspricht. Ich reiche ihr den Zettel mit dem Zugangsdaten. Sie sieht,
dass mein Handy alles auf deutsch anzeigt. „Dann können wir auch
deutsch sprechen.“ Carlos verdreht grinsend die Augen und meint:
„Deutsche sind überall.“ Sie bekommt die Verbindung und sucht
den Namen meiner Unterkunft im Internet. „Hostal Iquique“ im
Stadtteil „Breña“. Carlos
wundert sich aus mehreren Gründen, wie er mir später berichtet:
Erstens ist das sein Viertel, zweitens ist das seinem Spitznamen
„Quique“ ähnlich, drittens kennt er diese Unterkunft nicht und
viertens ist „Breña“ nicht gerade der
sicherste Ort
von Lima.
Carlos
wählt die angegebene Telefonnummer. Keine
Verbindung. Carlos bietet mir an zu ihm zu fahren und von ihm aus zu
der Unterkunft zu gehen. Ich sage zu
ihm: „Wenn
bis jetzt kein Abholdienst da ist, nehme ich das Angebot dankend an.“
Ich bedanke mich bei dem Mädchen. Carlos und ich gehen
zu Jose. Selbst beim zweiten Blick auf die wartenden Schildhalter
finde ich meinen Namen nicht. Also begeben wir uns zu Joses Taxi. Das
Taxi hat schon einiges mitgemacht. Im Kofferraum ist ein Gastank
eingebaut. Wir verstauen unser Gepäck und auf geht es Richtung „Casa
del Carlos“ - Carlos seinem Haus.
Taxifahrt in Lima
Der
Himmel ist bedeckt aber es sind angenehme 16 Grad Celsius.
Die
Fahrt ist für mich ein Erlebnis der besonderen Art. Mehrspurige
Fahrbahn. Viele Fahrzeuge. Es riecht nach Abgasen. Lautes Hupen.
Anhalten -
Fahren -
Einfedeln. Die Markierungen zeigen 3 Fahrspuren auf. Die Fahrzeuge
bilden mindestens vier Spuren. Durch die Spuren laufen Menschen und
verkaufen Waren: Handyladekabel fürs Auto, Gebäck, Tageszeitung,
Getränke. Die Fahrzeuginsassen kaufen durch die offenen Fenster.
Jose kauft Tageszeitung und Gebäck. Carlos kauft peruanische Bananen
mit
orangem
Fruchtfleisch. Die beiden bieten mit die Köstlichkeiten an. Ich
bedanke mich und probiere es. Lecker.
Jose
erzählt die Fahrt über auf englisch und fragt mich und Carlos ab
und zu etwas. Ich schaue interessiert aus dem Fenster und beobachte
wie Jose sich gekonnt einen Weg durch die Automassen bahnt.
Nach
gefühlten dreißig Minuten erreichen wir das Haus von Carlos.
Gegenüber ist eine Polizeistation. Das macht für mich einen
sicheren Eindruck. Carlos öffnet das Garagentor. Jose fährt hinein.
Gepäck
raus. Carlos bezahlt Jose, der wieder aus der Garage fährt.
Zu Fuß durch Breña
Da
kommt Carlos sein Bruder Guillermo. „Hola. Como estas?“ Wie
gehts. Zu dritt machen wir uns auf zu meiner Unterkunft.
Als
Fußgänger ist es hier ebenfalls eine neuer Eindruck für mich.
Anscheinend sind die Menschen hier an die durchgängigen lauten
Hupgeräusche so gewöhnt, dass es nur mit auffällt.
2
Blocks weiter ist die Unterkunft.
Da
Carlos die ganze Zeit mit mir auf englisch unterhält wirft Guillermo
ein, dass er der Meinung ist, dass Carlos mit mir spanisch spricht.
Schließlich bin ich ja auf einer Bildungsreise. Ich stimme Guillermo
zu. Mir wird nur
auch bewusst, dass wenn ich mich auf spanisch unterhalten müsste
alles etwas länger dauert.
Am
Hostel angekommen gehen Carlos und ich hinein. An der Rezeption
finden wir einen Mann den ich anspreche und auf spanisch frage, ob
er englisch kann. Er sagt „No“ nein. Carlos übernimmt. Er fragt
nach meiner Reservierung. Ja, die liegt vor. Ich frage Carlos ob er
fragen kann, warum mich niemand vom Flughafen abgeholt hat. Der
Mitarbeiter meint darauf hin das eine Kollegin dafür zuständig sei
und er dazu nichts sagen kann. Carlos fragt ob wir uns das Zimmer
ansehen können. Mit dem Schlüssel gehen wir zum Zimmer. Die Tür
ist bereits offen. Es sieht ordentlich aus: Bett, Tisch, Stuhl,
Schrank, TV. Bad mit Toilette, Waschbecken, Dusche.
Wir
geben den Schlüssel ab und ich lasse über Carlos ausrichten, dass
ich später einchecke.
Peruanisches Frühstück
Einen
Straßenblock weiter gehen wir in ein Cafe. Ich finde es zwar nicht
einladend aber ich vertraue Carlos und Guillermo.
Carlos
fragt, was ich nicht mag und bestellt. Guillermo merkt an. Carlos
korrigiert.
Ich
lasse mich überraschen. Brötchen
mit kaltem Schweinebraten.Dazu peruanischer Zwiebelsalat und
verschiedene „Salsas“ Soßen. Schmeckt super. Kaffee ohne Milch.
Dazu wir brauner‚ Zucker gereicht. Frischgemachter
smoothie-ähnlicher Saft aus lokalen Früchten. Sehr gut. Als
„Nachtisch“ ein mit Puderzucker überzogenes Gebäck mit
gekochtem Schweinehack (Gehacktes :-) und Zwiebeln. Ein herzhaft
süßes Geschmackserlebnis.
Carlos
meint, er wolle mir noch andere Unterkünfte zeigen. Hier befürchtet
er, dass mir was passieren könnte.
Auf eigene Faust Lima erkunden
Wir
gehen zurück zum Haus.
Ich
nehme meine Sachen und verabschiede mich. Carlos stellt in Aussicht,
dass wir heute Abend gemeinsam Essen gehen könnten. Er meldet sich
bei mir. Ich freue mich schon.
Ich
checke im Hostel ein und mache mich frisch.
Damit
ich in den neuen Tagesrhythmus von sechs Stunden Zeitverschiebung
komme, beschließe ich mich trotz Müdigkeit zu einen Spaziergang.
Ich
laufe in ein Einkaufzentrum, esse ein Eis, beobachte Menschen. Mache
Fotos. Erstmal nur mit dem Handy. Hab keine Lust heute schon meine
Kamera entwendet zu bekommen. Ich schlendere von einem „Plaza“
zum nächsten, sehe mir ein paar interessante Gebäude und Läden an.
Kulturrell traditionell
Plötzlich
höre ich Musik. Als ich die Geräuschquelle auffinde, zeigen sich
mir mehrere kostümierter Tanzgruppen und Musiker die in einem Umzug
sich von einem Kirchhof in eine befahrene Straße bewegen.
| Lima, Straßenumzug in Kostümen und mit Musik |
Gegenüber
eröffnet sich mir ein Blick in einen großen Innenhof, der mit einem
vielfältigen Essensangebot die Leute dicht gedrängt anlockt. Meine
Sinne bekommen eine Explossion ab, bei der ich nicht zuordnen kann ob
Auge und Nase die Reize als gut oder schlecht deuten sollen.
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| Schwein in Brötchen |
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| So eine Schweinerei, es riecht nicht frisch |
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| Gegrilltes Meerschweinchen |
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| Perunaische Weckemänner |
Die Abzocke
Als
ich wieder Richtung Unterkunft laufen will, spricht mich auf einem
der Plazas ein Mann an. Er ist Bolivianischer Straßenmusiker und
möchte mir etwas zeigen. Schließlich habe er ein paar Tipps für
meine Perureise. Er führt mich in eine Bar und bestellt uns beiden
ein „Pisco sour“. Limettenschorle
mit Alkohol. Ein
weiterer Mann kommt hinzu, der sich mir als ein Heilkundler
vorstellt. Sie erzählen mir allerlei Dinge über Peru und nach einer
Weile kommt die Bedienung mit der Rechnung, die ich bezahlen solle.
280 Soles (ca. 70 €). Die beiden verabschieden sich und ich torkele
etwas beschwipst Richtung Unterkunft. Na toll. Ich wurde gerade
verarscht.
Ich
ärgere mich erneut. Das zweite Mal an diesem Tag, dass ich in einer
unangenehmen Situation war.
Ich
versuche es positiv zu sehen. Ich nehme mir vor aus meinen Fehlern zu
lernen.
Zurück
im Hostel lege ich mich erstmal ins Bett. Oh Mann, bin ich kaputt.
Die Verwandten
Gegen
Abend weckt mich
mein Alarm. Carlos schreibt mir einen Nachricht, dass er mich erwartet: Wir fahren Essen.
Bei
Carlos angekommen, erzähle ich ihm von meiner Barsituation.
Carlos mitleidige
Stimme sagt:
„Mein Freund, du bist zu unschuldig für die dritte Welt. Lieber
einmal mehr nein sagen. Die Leute nutzen dich hier aus. Pass auf dich
auf.“
Wir
steigen in Carlos seinen Van. Guillermo fährt. Es dämmert und wir
schlängeln uns durch den unverändert dichten Verkehr. Nach 15
Minuten halten wir vor einem Haus. Nach 5 Minuten kommen Guillermos
Exfrau, Nele und seine Tochter, Maira heraus. „Hola“ begrüßen
mich die beiden mit Wangenkuss.
Carlos
unterhält sich mit den Mädels auf spanisch.
Die Küste und Barranco
Guillermo
steuert die Küstenstraße von Lima entlang um mir des Meer zu
zeigen. Es ist schon dunkel. Aber die Lichter der Stadt bilden eine
besondere Kulisse. Wir fahren nach „Barranco“. Hier parkt der Van
auf einem „Playa“ Parkplatz und 200 Meter weiter ist ein
rustikales Restaurant, dass mit vielen Menschen gefüllt ist.
Der
Kellner führt uns zu einem freien Tisch. Carlos bestellt für mich
erneut einen „Piso sour“. Ich weiße ihn darauf hin, dass ich
damit heute schon schlechte Erfahrungen gemacht habe. Er lacht nur
und sagt, dass ich mir hier keine Sorgen machen brauche, da er
bezahlt. Er berichtet den anderen meine Geschichte auf spanisch
und ich ernte mitleidvolle Blicke.
Naja.
Das verkrafte ich schon noch. Als die Getränke serviert werden, bin
ich positiv überrascht. Schließlich sieht dieser „Pisco sour“
viel besser aus als der in der Bar und hat einen Schuss Sherry
enthalten, was ihm eine zusätzlich fruchtig süße Note verleiht.
Die Mädels haben Cocktails aus Fruchtsaft mit Alkohol. Alle dürfen
mal dran schürfen. Vor lauter Exotik schon betrunken.
Das Festmahl
Für
die Essenbestellung hat sich Carlos entschieden durch das Restaurant
zu schreiten und zu sehen, was die anderen Gäste auf dem Tellern
haben. Unser Tisch kichert belustigt über seine Körpersprache. In
Absprache mit unserem Tisch bestellt Carlos etwas, dass wir alle
gemeinsam teilen. Es werden nach und nach Schüsseln aufgetischt,
deren einzelner Inhalt uns alle schon fast satt machen könnte. Es
sind eindeutig Köstlichkeiten,
die ich noch nie in dieser Form gegessen habe. Es sieht anders aus,
riecht anders und schmeckt anders. Aber fantastisch. Schweinebraten
mit Gemüse, Roher Fisch in Zwiebelsalat, Rinderrippchen in Blutsoße
mit Erbsen, Dazu weiße Bohnen und Reis.
Während
wir schon essen kommt eine weitere Tochter von Guillermo dazu. „Hola“
Wangenkuss. Natürlich muss Carlos auf spanisch erklären, wer ich
bin und was ich hier mache und heute schon erlebt habe.
Wir
essen alle so viel wir schaffen und am Ende bleibt noch so viel
übrig, dass es noch für zwei weitere Personen gereicht hätte.
Carlos bezahlt und lässt die Reste einpacken.
Der Abendspaziergang
Nach
dem wir das Restaurant verlassen spazieren wir gemeinsam m noch durch
das Viertel. Über die Brücke, die unter sich ein Tal eröffnet,
dass mit Gebäuden gefüllt ist, die Carlos als das Party-Viertel
beschreibt. Auf dem Plaza ist gerade Bücherfestival und am
Liebespaarblick, kann man das Meer sehen.
Die Rückfahrt
Dann
steigen wir ins Auto und Guillermo fährt die Mädels heim. Carlos
möchte mir noch ein Hostel zeigen, dass auf dem Weg liegt. Der Van
hält vor dem Eingang. Carlos begleitet mich hinein und an der
Rezeption kann ich den Mitarbeiter fragen wie teuer ein Privatzimmer
pro Nacht ist und ab wann es verfügbar ist. Aber mir gefällt der
Preis und die Lautstärke der hosteleigenen Bar nicht, in der gerade
eine Männer-im-Kleid-Mottoparty statt findet.
Ab
ins Auto und zurück zur Unterkunft. Ich verabschiede mich von den
Brüdern mit „Buenas noches“ Gute Nacht. Das war ganz schön viel
für meinen ersten Tag in Lima, Peru. Ich schlafe schnell ein.
Erkenntnis des Tages
Gut,
dass ich vor 24 h einem netten Menschen begegnet bin, der mir
geholfen hat.





Das liest sich wie der Anfang eines aufregenden Abenteuerromans. Schreib weiter so. Aber vor allem: PASS AUF DICH AUF!!!
AntwortenLöschenBeate
Tolle Reise , schreib weiter so denn können wir dich begleiten.
AntwortenLöschenPass aber bitte auf Dich auf. LG Brigitte