Huaraz – Andenstadt: Paradies für Bergsportfreunde


Die zweite Station meiner Reise: Mit dem Fernbus geht es für mich von Lima nach Huaraz. 8 Stunden Fahrt.

Huaraz und die Anden.
Arbeiten in der Jugendherberge
Ich habe meinen helpx-Nutzerkonto wiederbelebt und mich bei Aldo beworben, der für mich hier mindestens zwei Wochen einige Aufgaben hat. Ich bin in seiner Jugendherberge der „Concierge“ - quasi der Junge für alles. Für ein paar Stunden am Tag arbeite ich für Unterkunft und Verpflegung. Als Bonus gibt es dazu noch die Möglichkeit, dass ich kostenlos an Touren teilnehmen kann.

Kontakt mit anderen Reisenden
Dadurch, dass ich im Hostel arbeite und wohne, komme ich täglich mit den vielen Reisenden aus unterschiedlichsten Ländern zusammen. Das ist zum einen von Vorteil, da ich von ihnen Tipps bekomme, wo es etwas interessantes zu entdecken gibt. Zum anderen sind die meisten sehr freundlich und wir haben die Möglichkeit gemeinsam etwas zu unternehmen.

Mittel gegen die Höhenkrankheit
Huaraz liegt auf 3100m über dem Meerespiegel. Das ist für meinen Körper eine ungewohnte Veränderung. Am ersten Tag habe ich gemerkt, dass ich etwas Kopfweh habe und mich schon die kleinste Anstrengung aus der Puste bringt. Geschockt bin ich, als ich einen Gast ohnmächtig werden sehe, der gerade vor ein paar Stunden hier angekommen ist.
Aber ich halte mich an ein paar Tipps: bewusst Atmen, viel Wasser trinken, Ruhe gönnen, leichte Nahrung essen. Ich sage mir selbst, dass ich auf meinen Körper achten sollte und ihn nur vorsichtig beanspruche. Zumindest die ersten Tage.
Ein lokales Hausmittel: Coca-Blätter wirken sich lindernd auf die Symptome von "Soroche" aus, wie die Andenbewohner die Höhenkrankheit nennen. Aus der Heilpflanze wird nicht nur das bekannte Rauschgift hergestellt. Ich habe gehört, um von den Blättern „high“ zu werden, müsste man circa 200 Blätter zu einem Sud einköcheln. Die 10 Blätter, die man in den Tee macht oder im Mund zu einer Kugel formt, in die Wangentasche legt und mit dem Speichel umspült und so aussaugt, sind da wohl eher eine vertretbare Dosis. Selbst wenn man das Ganze mehrfach täglich wiederholt.

Coca-Tee als Heilmittel gegen die Höhenkrankheit "Soroche"
Tour zum Gletscher „Pastoruri“
Gemeinsam mit den Franzosen, Alexandra und Fabian, sowie der Argentinierin, Ailin, starte ich zu einem Tagestrip. Mit dem Reisebus geht es von Huaraz zu dem 70km entfernten Gletscher. Vorbei an kargen Berglandschaften mit steppen-ähnlichem Wuchs.

Die Anden und ich mitten drin.
Die Farben ähneln einem alten Foto: ausgeblichen, gelb, grün, braun, grau. Ab und an sehe ich Kühe, Schafe, Pferde und Lamas, die von einsiedlerischen Andenbewohnern gehütet werden, die spartanisch in Hütten aus Stein und Stroh hausen.
Die Andenpflanze „Puya“ ragt als höchste Pflanze ab und an in das Gebirgspanorama. Sie ist entweder ein toter, großer, schwarzer Obelisk mit gelbem Rock oder ein grüner Busch.

Puya - Andenpflanze: tot, schwarz, groß, gelber Rock.
Puya - Andenpflanze: lebendig, buschig, grün.
Hier gibt es viele Bergseen, die hier „Laguna“ genannt werden.

Einer der vielen Bergseen in den Anden
Auch Wasserquellen sprudeln hier sichtbar in die Pampa und bilden stehende Sümpfe.


Bergsumpf in den Anden.

Vom Parkplatz des Natruparks bis zum Gletscher trennt mich jetzt nur noch ein 2,5 km langer Pfad und ein Höhenunterschied von fast 500m. Wer es nicht zu Fuß bewältigen kann oder will, nimmt sich ein behuftes Taxi: Pferd mit Führer.

Behuftes Taxi zum Gletscher

Nun bekomme ich erneut am eigenen Körper zu spüren, was die Höhe mit mir macht: Atemnot, Herzschmerzen, Kopfweh. Jeder Schritt ist anstrengend. Langsam und mit kleinen Schritten bewege ich mich voran. Gut das ich nette Gesellschaft bei mir habe. Auch meine internationalen Begleiter sind darauf bedacht ihren Körper nicht zu überanstrengen.
Schon von weiten erspähe ich das massive weiße Etwas: der Pastoruri.
Aufstieg zum Pastoruri.

Und gleich davor ein großer Schmelzwassersee. Seit den letzten 30 Jahren ist der Gletscher schon deutlich geschrumpft.

Aufgrund des Klimawandels wird der Pastoruri spätestens in 10 Jahren geschmolzen sein. Das ist schon traurig. Den dieser rießige Eisklotz sieht schon beeindruckend aus.

Die Natur als Kunstwerk: Eismassiv des Pastoruri-Gletschers.
Na dann noch schnell ein Foto machen bevor der weiße Riese weg ist.

Der "Pastoruri"-Gletscher und sein Schmelzwassersee.
Tour zu den Ruinen von „Chavin de Huantar“
Heute begleiten mich die Brasilianer, Lara und ihr Freund Eduardo zu einem Ausflug. Wir fahren mit dem Reisebus in ein 100 km entfernte Dorf in den Anden. Dort befindet sich die zerfallenen Überreste des "Chavin de Huantar".

Hauptgebäude der Ruine von "Chavin de Huantar"
Die 800 v.Chr. errichtete Stätte diente vielen Andenkulturen und Religionen als Anlaufstelle. Durch die immer wieder auftretenden Erdbeben sind die Bauten aber schon ganz oder zu großen Teilen zerstört worden.


Doch es gibt einige Kammern die man betreten kann. Diese wurden vermutlich als private Anbetungsräume genutzt.


Von den vielen „Cabezas Clavas“ Steinköpfen ist nur noch einer am Hauptgebäude zu finden. Die anderen erhaltenen habe ich mir im Museum angesehen.

"Cabeza Clava" Steinkopf am Hauptgebäude der Ruine "Chavin de Huantar"
Die Muster und künstlerischen Elemente der hier zu findenden Steinhauerei erinnern mich an die Maori-Holzschnitzereien. Und doch sind sie eigenwillig. Wie die Steinköpfe und Reliefs zeigen, wurde den Pilgern an diesem Ort angeboten durch Rituelle Zeremonien einen anderen Bewusstseinszustand zu erreichen: tierische Eigenschaften und körperliche Transformationen. Dass erinnert mich auch an moderne Kulturpraktiken, wie beispielsweise heutiger Drogenkonsum und manche fragwürdigen chirurgischen Eingriffe.

Kaffeefahrt
Auf den Bustouren komme ich mir vor, als ist das Reiseziel nebensächlich. Denn mit der Kaufkraft der Reisenden können noch andere außer die Reiseagenturen verdienen. Auch hier wird versucht aus jedem Touristen Geld zu entlocken. Daher steuern die Reisebusse immer gezielt Restaurants, Souveniersläden und Plätze an, an denen laufende Verkäufer ihre Ware anbieten und Kinder oder Frauen mit Lämmern oder Lamas sich für Fotoshooting gegen Entgeld anbieten.

Peruanische Souvenierläden auf Rädern in den Anden
Die Andenstraßen
An dem Verkehr und der Fahrweise der Verkehrsteilnehmer hat sich im Vergleich zu Lima nur mäßig etwas geändert. Die kurvigen Bergstraßen nutzt der Busfahrer auch für gewagte Überholmanöver. Gekonnt und gezielt lässt er ab und an die Hupe erklingen, um auf sich aufmerksam zu machen. Als Geschwindigkeitsbegrenzung sind hier besonders in den Ortschaften kleine Fahrbahnerhebungen effektiv angebracht, die ein geübter Fahrer zwar schnell überwinden kann aber nicht ohne die Passagiere oder das Fahrzeug in Mitleidenschaft zu ziehen.

Mal sehen, wo mich nächste Woche eine Tour in die Anden hinführt. 

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