Tarapoto - unverhoffte Gastfreundschaft – internationale Couchsurfing-Erfahrung
Von
Chachapoyas geht es mit dem Collectivo für 30 Soles in 9,5 Stunden
nach Tarapoto in den Dschungel.
Anders
als gedacht
Mit
mir im Bus sitzt auch der Katalane, Marcel aus Barcelona in Spanien.
Er spricht mich nach der Ankunft an, ob wir uns ein dreirädriges
Mototaxi für 3 Soles ins Stadtzentrum teilen wollen.
![]() |
| Günstiges Transportmittel in der Stadt: Mototaxi oder Tuk-tuk genannt. |
Da die mir empfohlene Jugendherberge in der Richtung liegt steige ich mit ihm ein.
Als
wir ankommen, werden wir von der
Peruanerin Ana Maribel und
ihrem bereits Couchsurfing-Gast, der Chinesin Wing aus Hong Kong
begrüßt. Maribel besteht darauf, dass ich ebenfalls ihr Gast bin.
Zu
Gast bei Maribel
Also
laufen wir die 10 Meter zu ihrer Wohnung, wo sie mit ihren 3 Kindern
hinter ihrem Internetcafe lebt. Sie hat extra eines der Kinderzimmer
für ihre Gäste frei gemacht. Maribel spricht ausschließlich
spanisch und versteht nur wenig englisch. Bei mir ist es genau
umgekehrt. Marcel und Wing fungieren als Übersetzer. Maribel ist so
freundlich, dass ich ein schlechtes Gewissen habe, anzunehmen was sie
anbietet. Nach dem wir gegessen und uns frisch gemacht haben, geht es
mit Mototaxi und mit dem Motorroller ihres Sohnes Walter zum Public
Viewing in einer angesagten Discothek.
Qualifikationsspiel
zur Fußball-Weltmeisterschaft
Mario
aus Lima hält mit seiner Freundin Plätze für uns frei. Wir stellen
uns vor und teilen, wie hier üblich das Flaschenbier mit einem Glas,
dass Reih um geht und in das sich jeder soviel eingießt, wie er oder
sie trinken mag, um danach beides an den Nächsten weiter zu geben.
Während dem Fußballspiel trifft peruanische Hoffnung auf
neuseeländischen Kampfgeist. Die Stimmung ist mitfiebernd. Doch die
Partie endet 0:0.
Durch Wasser wandern
zu Wasserfällen
Am nächsten Tag wollen
wir die Gegend erkunden. Wir sind zu viert unterwegs: zu Wing, Marcel
und mir gesellt sich Rafa. Er kommt aus Barcelona und studiert in der
peruanischen Stadt Trujillo für ein Semester Tourismus. Also teilen
wir uns ein Taxi in einen Nachbarort, von dem aus wir zu einem
Wasserfall wandern wollen.
Dabei passieren wir eine
Strassensperre. Warum sind hier bewaffnete Sicherheitskräfte, die
Geld sammeln? Wir geben dem Mann ein paar Münzen und fahren weiter.
Angeblich sind diese para-militären Gruppen durch die Polizei nicht
so einfach aufzulösen. Zufällig verschwindet nach dem kurzen
Gefängnisaufenthalt dieser Gruppenmitglieder genau der Polizist, der
für die Festnahme gesorgt hat. Auf nimmer wiedersehen. Oh Mann. Mir
ist schon etwas mulmig.
Der Weg zum Wasserfall
ist kaum ausgeschildert und führt uns durch einen üppigen Wald.
Hier begegnen wir vielen Mücken und andere Regenwaldbewohner.
Komischerweise führt der Weg ohne Anzeichen einer Alternative genau
quer durch den 10 Meter breiten und Knietiefen Fluß. Nicht nur
einmal waten wir bei sängender Hitze durch das kühle Nass. Am Ende
werden wir mit dem paradisischen Wasserfall belohnt in dem wir ein
erfrischendes Bad nehmen.
Das internationale
3-Gänge-Menü
Um uns für die
Gastfreundschaft Mirabels zu bedanken, bereiten wir ein Abendessen
vor. Beim Einkauf improvisiere ich mit den Zutaten, da ich hier für
meine deutschen Kartoffelpuffer so viele interessante Verfeinerungen
habe: neben Gemüse auch Süßkartoffel und Yuca. Dafür nehmen wir
in der Küche alle Gerätschaften in Anspruch, die wir für unsere
heimischen Gerichte benötigen. Ein mittleres Chaos, da wir alle
gleichzeitig agieren. Am Ende verspeißen wir nach 3h Aufwand die
Köstlichkeiten. 1. Gang: Wing bereitet Hong-Kong-Suppe mit Tomate,
Ei, Petersilie und Paprika zu. 2. Gang: meine deutschen
Kartoffelpuffer mit peruanischen Zutaten. 3. Marcels katalanisches
Omelett mit Ei und Gemüse schließt das ganze ab. Lecker.
![]() |
| Internationales Essen: (von links nach rechts:) Maribel, ich, Wing, Marcel, Rafa, Walter. |
Karaokenacht
Wir gehen zur Eröffnung
einer Karaokebar eines Freundes unserer Gastmutter. Es ist
ausgelassen und die Show-Einlagen von Wing sind legendär. Für mich
auch interessant, was an spanischen Liedern so geträllert wird, von
denen ich kein einziges kenne. Da man sich hier mit kleinen Gläsern
und einer Bierflasche, die reihum gereicht wird betrinkt werden in
kürzester Zeit je nach Gruppenstärke im Akkord flaschenweise
Hopfengetränk konsumiert. Das bringt auf ein alkoholisiertes Niveau
in dem man sich gegenseitig grinsend anlallt und kaum noch wichtig
ist, dass ich nur jedes vierte spanische Wort verstehe.
Zwischenfall am
Kassenhaus
Wir wandern heute zum
nächsten Wasserfall. Dieser liegt irgendwo im Wald von Tarapoto. Wir
fragen 5 Leute nach dem Weg und bekommen 6 Antworten. Das klingt zwar
übertrieben, aber ich habe die Befürchtung, dass zum einen die
Befragten den Ort verwechseln, sich an den Weg nicht erinnern oder
ungern sagen wollen: "Ich hab keine Ahnung!". Ende vom
Lied: Wasserfall gefunden, Schuhe nass, Motivation am Boden, von
Moto-Taxis umstellt und mit Messer bedroht. Aber nun von Anfang.
Viele Einheimische versuchen sich am Tourismus zu beteiligen und
kassieren für Naturatraktionen Eintritt. Meist ohne Genehmigung, zu
unverschämten Preisen. Komischerweise ist es aber ein häuig
anzutreffendes Problem, dass die Kleinunternehmer kein Wechselgeld
haben. Also einigen wir uns, dass Rafa und Marcel auf dem Rückweg
bezahlen. So weit so gut.
Kaum Hinweisschilder
lassen annehmen, dass hier eigentlich niemand möchte, dass man
findet wonach man sucht: den Wasserfall. Auf einem Privatgrundstück
im Wald treffen wir den Besitzer, der uns zum Wanderweg führt. Sein
Hund scheint sich hier bestens aus zu kennen. Er läuft voran und
bekommt irgendwie garnicht mit, dass sich der Besitzer bereits
verabschiedet hat. Glück für uns. Denn in diesem Terrain aus
dichtem Wald, unwegsamen Gelände und zu durchquerenden Wasserläufen
kann man schon mal die Orientierung verlieren. Wir brauchten 1,5
Stunden länger als erwartet um den Wasserfall zu erreichen. Der
Anblick ist traumhaft, die Insekten nervig, dass Wasser erfrischend.
Wir müssen zurück, bevor es dunkel wird. Schon bei der Ankunft sind wir total geschafft. Aber der Rückweg verlangt uns alles ab. Als wir in der Dämmerung das Kassenhäusschen passieren beschließen die Spanier einfach weiter zu laufen. Uns rufen mehrere Einheimische hinterher und umstellen uns 500 Meter weiter mit ihren motorisierten Rikschas. Sie sind 10 gegen uns 4 Personen. Nach unangenehmen 5 Minuten Diskussion und einem gezückten Brötchenmesser rückt die leicht alkoholisierte Meute murrend Richtung Stadt ab. Wir wollen so schnell wie möglich weg. Sicher fühlen wir uns erst wieder als wir zurück bei unserer Gastmutter sind.
![]() |
| Wasserfall im Wald von Tarapoto. |
Wir müssen zurück, bevor es dunkel wird. Schon bei der Ankunft sind wir total geschafft. Aber der Rückweg verlangt uns alles ab. Als wir in der Dämmerung das Kassenhäusschen passieren beschließen die Spanier einfach weiter zu laufen. Uns rufen mehrere Einheimische hinterher und umstellen uns 500 Meter weiter mit ihren motorisierten Rikschas. Sie sind 10 gegen uns 4 Personen. Nach unangenehmen 5 Minuten Diskussion und einem gezückten Brötchenmesser rückt die leicht alkoholisierte Meute murrend Richtung Stadt ab. Wir wollen so schnell wie möglich weg. Sicher fühlen wir uns erst wieder als wir zurück bei unserer Gastmutter sind.
Kino in Spanisch
Heute regnet es. Kein
Wetter für Unternehmungen. Also ab ins Kino. Nur 3 Soles Eintritt.
Alles auf spanisch. Ohne Untertitel. Aber das Popkorn und Trinken
super billig: 10 Soles im Paket. Am Ende zwar nur die Hälfte
verstanden aber um ein Erlebnis reicher.
'Laguna Azul'
Heute
nehmen wir Taxi, Fähre, Taxi um einen See zu erkunden. Eigentlich
heißt „Laguna Azul“ blauer See. Aber davon sehe ich nichts als
wir den von Regenwald umsäumten Ort erreichen, den sogar einen
inaktiven Vulkan vorweisen kann. Könnte sein, dass es auf Grund der
Regenfälle von gestern hier so aufgewühlt aussieht. Vielleicht
denken die Einheimischen aber auch, der Ort bekommt durch die
vereinzelten Müll und Dreck bekommen Touristen Mitleid und
verbringen dort viel Zeit um Geld auszugeben. Irgendwie ist mir das
unverständlich. Wir nehmen ein Boot, liegen in der Hängematte,
Essen Fisch, fahren mit dem Taxi zur Fähre. Un nach der Überfahrt
geht es mit dem Taxi zurück nach Tarapoto.
![]() |
| Laguna Azul: in der Hängematte abhängen. |
Heiße Quellen
Mit dem Taxi geht es für uns 2 Stunden zu heißen Quellen. Dreißig Minuten laufen wir durch den Dschungel. Hier noch einen Fluß überqueren. Da noch eine Schlange verscheuchen. Und zu letzt eine abenteuerliche Holz-Konstruktionen überschreiten bis wir am Wasserfall ankommen. Ein kühles Bad nehmen. Auf dem Rückweg sitzen wir dann so lange in den heißen Quellen bis unsere Haut verschrumpelt.
![]() | |
| Der Weg zu den heißen Quellen ist mit Flußüberquerung verbunden | . |
Da alles andere zu teuer wäre, reisen wir heute mal per Anhalter im Viehtransporter zurück nach Tarapoto. Ein Reiseerlebnis, wenn man nur den Himmel sieht und die Strasse durch kurvige Hochdschungelstrassen führt.
Fußballsieg
Im Rückspiel gegen
Neuseeland qualifiziert sich das Team Peru durch den Sieg für die
Weltmeisterschaft in Russland. Es war sehr beeindruckend zu sehen,
wie emotional die Peruaner nach dem Abpfiff wurden. Gestandene Männer
brachen in Tränen aus.
Im Anschluss war die
Stimmung mehr als ausgelassen. Schließlich haben die
fußballbegeisterten Südamerikaner auf diesen Moment Jahrzehnte
gewartet. Es wird die ganze Nacht getanzt, fahrende Korsos durch die
Stadt und Feuerwerkskörper.
Was für ein Ende für
einen unverhofften Aufenthalt in Tarapoto. Der Abschied von meinen
neuen Freunden ist sehr herzlich. Wir bleiben in Kontakt. Auf geht es
zum nächsten Ort: Yurimaguas.






Hallo an alle, die meinen Blog besuchen. Derzeit hinke ich 2 Monate mit meinen Berichten hinterher. Die intensive ereignisreiche Reise genieße ich in vollen Zügen. Daher nehme ich mir wenig Zeit zum schreiben. Liebe Grüße aus den chilenischen Anden Nahe Santiago :)
AntwortenLöschenHallo mein Abenteurer, schön wieder was von dir zu lesen. Leider kann ich nur ein Bild sehen, aber du beschreibst ja alles gut. Deine Begegnungen mit eigenwilligen Menschen macht mir ein bisschen Angst. Sei vorsichtig!!!
LöschenWir grüßen dich herzlich aus Kallmerode 🙋
Hi Pati & Co,
LöschenIrgendwie blockiert Google auf Grund der Einstellungen, dass die Fotos von anderen Nutzern/ Besuchern gesehen werden können. Ich kenne mich nicht gut genug aus um das Problem zu beheben. Sorry : (
Hab jetzt nochmal versucht was zu ändern. Kann jeder die Fotos sehen?
Löschen